Workshop: Restauration einer Lenkung, Teil 3

Workshop: Restauration einer Lenkung, Teil 3

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Workshop: Restauration Lenkung

Workshop: Restauration Lenkung

Restauration einer Lenkung (ab 05/1936), 3. Teil

Als nächstes wird die Zahnstange im Lenkungskörper mittig nach links geschoben und es werden die innere Halbschale (nur BN) mit der glatten Seite nach links und die äußere Halbschale des rechten Kugelbolzens mit der glatten Seite nach rechts von rechts in die Zahnstange eingeführt, der rechte Kugelbolzen wird dazwischen eingesetzt.

Damit bei der weiteren Montage die eingefettete Zahnstange nicht ständig nach links aus dem Lenkungskörper herausrutscht und Schraubstock, Kleidung und Boden mit Fett versaut, wird jetzt schon die mit Fett gefüllte linke Anschlag- und Fettkappe 602.008 mit dem Gewindestück 601.904 und der Kontermutter 2613-S mit Dichtungspaste montiert; vorher Dichtflächen fettfrei machen. Gewindestück und Kontermutter werden noch nicht endgültig eingeschraubt und gekontert, dies erfolgt erst bei der Einstellung des Lenkeinschlags nach der Montage der Lenkung am Wagen.

Die Feder wird in das Hohlschalenrohr eingesetzt und dieses mit aufgeschraubter Gelenkkopf-Kronenmutter rechts in das Lenkungsgehäuse eingeführt und festgeschraubt.

Bild: Feder, Hohlschalenrohr und Kronenmutter vor dem Einbau

Workshop Lenkung, Bild 28

Workshop Lenkung, Bild 28

Hierbei ist der innere Teil des Spezialwerkzeuges 1976-T sehr hilfreich. Hohlschalenrohr damit ganz festziehen, es muss gegen die Federkraft der zwei (BN) bzw. der einen (BL) Feder festgezogen werden, was etwas Mühe macht. Darauf achten, dass das Werkzeug nicht verkantet und abrutscht. Ggfs. die Gelenkkopf-Kronenmutter beim Festziehen des Hohlschalenrohres wieder einige Gewindegänge lösen, damit sie nicht jetzt schon festklemmt.

Nachdem das Hohlschalenrohr ganz fest angezogen ist, dieses wieder um ca. 1/6 Umdrehung lösen, damit die Federn noch Federweg haben und Wirkung zeigen können, sie drücken auf die Halbschalen der Kugelbolzen und sorgen dafür, dass kein Spiel in der Lenkung ist. Jetzt müssen sich die Kugelbolzen so gerade noch von Hand bewegen lassen, dass kein harter Punkt auftritt (im Sinne von Blockieren), sie klemmen dabei natürlich stark, aber das muss genau so sein.

Dann die Gelenkkopf-Kronenmutter festziehen. Auch das geht am Besten mit dem Spezialwerkzeug 1976-T: Mit dem inneren Werkzeugteil wird das Hohlschalenrohr festgehalten, mit dem äußeren die Kronenmutter festgezogen. Dabei unbedingt darauf achten, dass sich das Hohlschalenrohr nicht weiter losdreht, wir haben es eben ja gerade 1/6 Umdrehungen gelöst. Falls sich das Hohlschalenrohr mitdreht, wird nur mit dem äußeren Werkzeugteil nach rechts gedreht. Dabei dreht sich die Zahnstange im Lenkungskörper so weit nach rechts, bis die Schäfte der Kugelbolzen an der länglichen Aussparung des Lenkungskörpers anliegen. Jetzt ist die Zahnstange blockiert und die Kronenmutter kann ganz festgezogen werden. Sie liegt dann am rechten Rand des hohlen Teiles der Zahnstange an.
Prüfen, ob das Loch im Hohlschalenrohr für den Splint noch mit einer der vier Schlitze in der Kronenmutter fluchtet. Falls nicht, muss ein neues Loch von 3 mm gebohrt werden.

Damit keine Metallspäne in die Lenkung fallen, wird in das Hohlschalenrohr ein Lappen gestopft.

BILD: Bohren eines neuen Loches für den Splint

Workshop Lenkung, Bild 29

Workshop Lenkung, Bild 29

Jetzt einen 3 mm dicken Splint, der auf ca. 20 mm gekürzt wurde, von außen durch das gebohrte Loch einführen und beide Enden innen im Hohlschalenrohr zur linken Seite hin umbiegen. Falls der Kopf des Splintes zu weit nach oben überragt, wird er mit einem Durchschlag etwas flacher geklopft.

BILD: Flachgeklopfter Kopf des Splintes der Gelenkkopf-Kronenmutter

Workshop Lenkung, Bild 30

Workshop Lenkung, Bild 30

Jetzt das eingefettete Abdeckeisen 601.978/601.845, mit der größeren Seite nach rechts (siehe Bild 27), über die Lenkungsbolzen stülpen, dann ebenfalls die eingefettete Schutzblechhälfte mit den 2 Löchern.

Als nächstes wird der restliche mittige Teil des Lenkungskörpers außen eingefettet und die Schutzblechhälfte ohne Löcher von unten in den Falz der anderen Schutzblechhälfte seitlich von rechts eingeschoben.

BILD: Montage der Schutzblechhälften

Workshop Lenkung, Bild 31

Workshop Lenkung, Bild 31

Die Falze der Schutzbleche werden an den Enden sowie in der Mitte mit einem stumpfen Seitenschneider zusammengedrückt, damit das untere Blech bei den Lenkbewegungen immer sicher mitgeführt werden kann. Lackbeschädigungen an den Schutzblechen ausbessern.

BILD: Falze der Schutzblechhälfte werden zusammengedrückt

Workshop Lenkung, Bild 32

Workshop Lenkung, Bild 32

Danach wird die rechte Gummimanschette, mit dem größeren Durchmesser nach links, auf den Lenkungskörper aufgeschoben. Es folgt die rechte Halterung, dessen Befestigungsschraube genau wie bei der linken Halterung ausgerichtet sein muss, also in Fahrtrichtung der Traction nach hinten. Schraube der Halterung noch nicht festziehen.

Dann die beiden großen Muttern 601.853, jeweils mit der leicht vorstehenden, geplanten runden Anlauffläche nach rechts, auf das Gewinde am rechten Ende des Lenkungskörpers aufschrauben. Das Sicherungsblech 602.098 aufschieben, dann die mit Fett gefüllte Fett- und Anschlagkappe 601.924 aufschrauben. Noch nicht festschrauben und kontern, dies erfolgt erst bei der Einstellung des Lenkeinschlags nach der Montage der Lenkung am Wagen.

Die Gummimanschetten über die Schutzblechenden ziehen, und zwar über den radialen Wulst der Schutzbleche hinweg, und mit passenden Schlauchschellen so befestigen, dass die Gummimanschetten nicht beschädigt werden. Die rechte äußere Schlauchschelle wird nur lose angebracht und erst später nach der Montage der Lenkung im Wagen festgezogen, weil die genaue Lage der rechten Halterung sich erst dabei ergibt. Normale Schlauchschellen eignen sich kaum, es hat sich bewährt, die Gummimanschetten mit Ligarex-Bändern zu befestigen. Das sind Endlos-Schlauchschellen, die mit einem speziellen flachen Verschluss und einer Spezialzange fixiert werden. Gibt es bei den Händlern, insbesondere im DS-Bereich, und im großen Kaufhaus im Internet.

BILD: Montage Ligarex-Band mit Spezialzange

Workshop Lenkung, Bild 33

Workshop Lenkung, Bild 33

Nun wird die Lenkstange montiert. Unteren Lagerring einfetten, ebenso unteres Kegelrollenlager. Dieses wird eingesetzt, die Hohlräume im Alu-Lenkkopf mit Fett füllen. Verzahnung der Lenkstange, oberes Kegelrollenlager und oberen Lagerring einfetten und beide über die Lenkstange schieben. Die vorhin ermittelten viereckigen Distanzscheiben auf die Stehbolzen des Alu-Lenkkopfes auffädeln, die dickste Scheibe zuletzt.

BILD: Lenkstange vor dem Einbau in den Lenkungskörper

Workshop Lenkung, Bild 34

Workshop Lenkung, Bild 34

Die im Reparaturhandbuch beschriebene Einstellung mit einer genauen Position des Lenkrades ist nicht ganz verständlich, denn der Metalladapter 604.116 für das Lenkrad, der auf der Lenkstange befestigt wird, hat nach meinen Erfahrungen mit Lenkungen der 50er Jahre immer nur eine Nut für den halbmondförmigen Keil. Das Lenkrad kann ja später – nach genauer Achsvermessung und Einstellung der Spurstangen – genau gerade gesetzt werden, indem es mit den drei Schrauben auf den Adapter versetzt montiert wird.

Wer es dennoch genau wie im Reparaturhandbuch beschrieben montieren will:

Zahnstange 37 mm links über die Fläche des Alu-Lenkkopfes überstehen lassen (dazu muss die vorhin schon endgültig montierte linke Anschlag- und Fettkappe natürlich wieder demontiert werden), Lenkstange mit dem Zahneingriff so einführen, dass die Nut für den Keil genau oben ist und der Überstand von 37 mm +/- 2 mm eingehalten wird.

Sonst Lenkstange beliebig in den Alu-Gelenkkopf einführen und in die Verzahnung hineindrehen.

Oberen Lagerring im Alu-Lenkkopf einsetzen, Abschlussplatte 601.867 mit der geplanten Fläche zum Lagerring hin und den viereckigen Abdichtungskäfig 601.868 mit dem Filzring (zur Abdichtung etwas ölen) über die Lenkstange stülpen, unten über die vier Stehbolzen fädeln und mit vier Federringen und Muttern festschrauben.

Hierbei ist äußerste Vorsicht und viel Gefühl notwendig, nie mit Gewalt hantieren, das Alu-Gehäuse ist sehr dünn und reißt gerne ein. Insbesondere nie den äußeren Lagerring durch Anziehen der Muttern an seine Stelle bringen, wenn er verkantet, reißt das Alu-Gehäuse sofort. Jetzt noch die Gummimuffe 602.169, mit der Einbuchtung zuerst, über die Lenkstange bis auf den Abdichtungskäfig schieben und dort mit einer Schlauchschelle oder mit Ligarex-Band befestigen.

Jetzt das eingeölte Führungsstück 602.003 in den Alu-Lenkkopf einbauen, die ovalen Distanzscheiben (es gibt diese in den Stärken 0,05 mm, 0,1 mm und 0,2 mm) und die ovale Abschlussplatte, mit der geplanten Fläche zum Lenkkopf hin.

Die Andruckfeder 602.004 zunächst nicht einbauen. Mit zwei Federringen und zwei Muttern vorsichtig festschrauben. Dann durch Drehen an der Lenkstange das Spiel prüfen. Ist Spiel vorhanden und dreht die Lenkung zu leicht, wird eine der Distanzscheiben herausgenommen, beginnend mit einer Scheibendicke von 0,05 mm.

Falls dies nicht ausreicht, die nächst dickere Scheibe herausnehmen. Ist die richtige Einstellung gefunden, wird die eingefettete Andruckfeder und eine weitere 0,1 bis 0,2 mm dicke Distanzscheibe eingebaut, damit die Feder noch Federweg hat. Ob man hier 0,1 oder 0,2 mm wählt, ist schwierig vorauszusagen, evtl. muss man später im Fahrbetrieb entscheiden, ob die Lenkung zu schwer- oder zu leichtgängig ist, und nochmals die Distanzscheiben tauschen. Fehlen Distanzscheiben und ist keine alte Lenkung zur Hand, kann genau wie bei den viereckigen Distanzscheiben verfahren werden: Sie lassen sich aus harter Alu-Folie oder fester Kunststoff-Folie selbst herstellen.

Das Führungsstück oder die Andruckfeder sollten nie abgeschliffen werden.

BILD: Führungsstück der Zahnstange, Feder, Distanzscheiben, Abschlussplatte

Workshop Lenkung, Bild 35

Workshop Lenkung, Bild 35

Die beiden Kunststoff-Abdichtungen 601.946 mit der Rundung nach unten auf die Lenkungsbolzen aufsetzen, Muttern 2674-S einige Gewindegänge auf die Lenkungsbolzen aufschrauben und 2 Splinte mit 3 mm Dicke und ca. 50 mm Länge, leicht gespreizt, durchstecken. Jetzt noch die Gummiabdichtung 232.298 für die Durchführung der Lenkstange an der Karosserie (Abbildung im ET-Katalog auf Seite 305), die man immer erneuern sollte, über die Lenkstange schieben.

Für die Montage der Lenkung unter der Traction sind so alle Teile griffbereit.

BILD: Fertige Lenkung

Workshop Lenkung, Bild 36

Workshop Lenkung, Bild 36

Workshop Lenkung, Bild 37

Workshop Lenkung, Bild 37

Workshop Lenkung, Bild 38

Workshop Lenkung, Bild 38

Workshop Lenkung, Bild 39

Workshop Lenkung, Bild 39

Workshop Lenkung, Bild 40

Workshop Lenkung, Bild 40

Workshop Lenkung, Bild 41

Workshop Lenkung, Bild 41

Auf die rechtlichen Hinweise mache ich ausdrücklich noch einmal aufmerksam.

siehe http://tractionavant.com/workshop-hinweis

Bei der Lenkung handelt es sich um ein sicherheitsrelevantes Bauteil.

Die Montage der Lenkung unter der Traction und die genaue Einstellung des Lenkeinschlages mit den Anschlag- und Fettkappen werden in einem separaten Beitrag beschrieben. Hierbei wird auch gezeigt, wie der Wendekreis bei Verwendung von homokinetischen Antriebswellen erheblich verkleinert werden kann.

Ulli Franken

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S. Joest, www.ami6.de