Workshop: Restauration einer Lenkung, Teil 2

Workshop: Restauration einer Lenkung, Teil 2

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Workshop: Restauration Lenkung

Workshop: Restauration Lenkung

Restauration einer Lenkung (ab 05/1936), 2. Teil: Zusammenbau

Workshop Lenkung, Bild 10

Workshop Lenkung, Bild 10

Bild: Alle Teile fertig zum Zusammenbau

Als erstes werden die geprüften Schrägrollenlager mit der Lenkstange eingebaut und eingestellt.

Sollten die Lager defekt gewesen sein, immer auch den Lagerring im Alu-Gehäuse des Lenkungskörpers mit wechseln, und zwar nicht mit Gewalt heraushauen, sondern das Alu-Gehäuse von AUSSEN an der Stelle, wo der Lagerring sitzt, vorsichtig mit einem Heißluftgebläse erwärmen. Der Lagerring kann dann, sofern er nicht bereits von alleine herausfällt, mit einem hakenartigen Dorn, der von oben durch die Öffnung geführt wird und hinter den Lagerring eingehakt wird, mit ganz leichten Schlägen herausgeholt werden.

Bei hartnäckigen Lagerringen empfiehlt sich die Herstellung eines Ausziehers mittels einer Gewindestange und zwei verschiebbaren Unterlegscheiben.

Der äußere Lagerring steht über den Gehäuserand des Lenkungsgehäuses ca. 1,5 bis 2,0 mm über.

Workshop Lenkung, Bild 11

Workshop Lenkung, Bild 11

Deutlich sichtbar: Überstand des Lagerringes

Zum Ausgleich werden die viereckigen Distanzscheiben eingebaut, die es in den Dicken
1,00 mm, 0,25 mm, 0,15 mm und 0,05 mm gibt. Diese Scheiben sehen quadratisch aus, sind mit einer Kantenlänge von 62,4 x 60,5 mm jedoch rechteckig, was zu beachten ist, wenn man die Distanzscheiben auf die Gewinde des Lenkungskörpers auffädelt.

Die dickste Distanzscheibe – in der Regel die 1 mm – wird zuletzt eingebaut, eine dünne 0,05 mm könnte bei der Montage zwischen Lagerring und Abschlussplatte kommen. Die dicke Abschlussplatte 601.867 wird mit der planen gerichteten Seite zum Lager hin montiert und mit vier Muttern vorsichtig festgezogen. Hat die Lenkstange in der Lagerung Höhen- und Seitenspiel, werden solange entsprechende viereckige Distanzscheiben herausgenommen, bis kein Spiel mehr vorhanden ist und die Lenkstange sich trotzdem noch leicht drehen lässt.

Erfahrungsgemäß müssen bei Wiederverwendung der bisherigen Teile Distanzscheiben mit einer Dicke von insgesamt 0,15 bis 0,30 mm herausgenommen werden.

Trick: Gleichdicke Distanzscheiben (z. B. 0,25 mm) haben Toleranzen bis zu 3/100 mm, also z. B. von 0,23 bis 0,26 mm, da kann man mit unterschiedlichen Scheiben andere Gesamtwerte erzielen. Der Spielausgleich bewegt sich im Bereich von wenigen hundertsteln Millimetern. Falls keine passenden Distanzscheiben zur Hand sind, lassen sich auch Scheiben aus dünner Hartalu-Folie (nicht die aus der Küche) oder aus fester Kunststoff-Folie fertigen.

Zur einfacheren weiteren Montage wird die Lenkstange jetzt wieder ausgebaut (es fehlte ja auch noch der Blechkäfig mit dem Filzring…).

Workshop Lenkung, Bild 12

Workshop Lenkung, Bild 12

Bild: Lenkungskörper mit montierter Lenkstange

Wird eine neue Gelenkkopf-Kronenmutter 601.843 montiert (Originalmaß = 36,75 mm, einseitiger Verschleiß = ca. 0,15 mm), so muss zunächst geprüft werden, ob diese ohne zu klemmen durch den Lenkungskörper gleiten kann.

Hierzu wird die rechte Halterung 602.137 der Lenkung fest am Lenkungskörper an der richtigen Stelle montiert, die neue Kronenmutter auf das Hohlschalenrohr 601.850 aufgeschraubt und dieses verkehrt herum zusammen mit einer 5/100 mm Fühlerblattlehre, die mit einem Klebestreifen auf dem Hohlschalenrohr fixiert ist, in den Lenkungskörper über fast die gesamte Länge des Hohlschalenrohres (ca. 14 cm) eingeführt. Sie muss spielfrei und ohne zu klemmen gleiten.

Workshop Lenkung, Bild 13

Workshop Lenkung, Bild 13

Bild: Fixierte 5/100-Lehre, defekte Kronenmutter oben,

Workshop Lenkung, Bild 14

Workshop Lenkung, Bild 14

Bild: Messung des Spiels

Danach Hohlschalenrohr wieder herausziehen und rechte Halterung abnehmen.

Die linke Halterung mit der Arretierungsschraube wird jetzt auf den Lenkungskörper geschoben. Auf die richtige Lage achten, siehe Bild. Bevor die Arretierungsschraube 602.322 mit Federring angeschraubt wird, muss unbedingt die Schraube 308.398 mit Sicherungsblech 118.031 zur Befestigung des Halters an der Karosserie eingesetzt werden, dies ist später bei montierter Arretierungsschraube nicht mehr möglich.

Arretierungsschraube festziehen, die Schraube 944-S der Halterung noch nicht festziehen; die Halterung hat jetzt noch leichtes Spiel, dies ist notwendig, um die Lenkung später spannungsfrei an der Karosserie ausrichten und festschrauben zu können.

Workshop Lenkung, Bild 15

Workshop Lenkung, Bild 15

Bild: Linke Halterung mit Arretierungsschraube

Danach die linke Gummimanschette aufschieben, der kleinere Durchmesser Richtung Halterung.

Als nächstes werden der Lenkungskörper und die Zahnstange innen gefettet. Ich nehme dafür MoS2-Fett, normales Kugellagerfett geht aber auch. Kann man trefflich drüber streiten….

In die Zahnstange werden nacheinander eingefettet eingeschoben: das linke Distanzrohr 602.216 (BL)/602.346 (BN) mit der dickeren Wandung zuerst, darin das runde Abschlussplättchen 602.345 (nur BN) und eine Feder 601.848 (nur BN), dann die äußere Halbschale 601.849 für den linken Kugelbolzen (glatte Seite nach links) und die innere Halbschale 602.165 (BN) (glatte Seite nach rechts) bzw. die innere Doppelhalbschale
601.836 (BL).

Workshop Lenkung, Bild 16

Workshop Lenkung, Bild 16

Bild: Einbau der vorhin genannten Teile in die Zahnstange, einzeln…

Workshop Lenkung, Bild 17

Workshop Lenkung, Bild 17

Bild: …und zusammen

Lenkungskörper mit zwei großen Hölzern vorsichtig in einen Schraubstock spannen, ohne das Rohr zusammenzudrücken.

Zahnstange außen einfetten, ebenso das Halbblech innen und außen, das anschließend – mit dem größeren Loch nach rechts – über den Hohlteil der Zahnstange geschoben wird, bis die Aussparungen für die Kugelbolzen fluchten. Zahnstange und Halbblech werden jetzt zusammen in den Lenkungskörper geschoben, mit der Verzahnung zuerst.

Workshop Lenkung, Bild 18

Workshop Lenkung, Bild 18

Bild: Gefettete Zahnstange mit Halbblech

Alle folgenden Teile werden eingefettet montiert:

Die Halbschalen des linken Kugelbolzens, die sich ja schon in der Zahnstange befinden, werden leicht auseinandergedrückt und der linke Kugelbolzen eingeführt.

Workshop Lenkung, Bild 19

Workshop Lenkung, Bild 19

Bild: Linker Kugelbolzen

Jetzt sollte man sich mit der genauen Lage des sechseckigen Loches im Distanzrohr 601.975 (nur BN) bzw. in der inneren Doppelhalbschale 601.836 (BL) vertraut machen, das erleichtert später das Einführen des Haltestiftes – reichlich Fett wird hier später die genaue Sicht verdecken.

Das Distanzrohr (nur BN) wird – mit der leichten Vertiefung des sechseckigen Loches nach unten – von rechts bis zum Anschlag an die innere Halbschale des linken Kugelbolzens eingeschoben und die Zahnstange im Lenkungsgehäuse soweit nach rechts geschoben, bis das Loch für den Haltestift 602.055 sowohl im Lenkungskörper als auch im Hohlteil der Zahnstange ungefähr fluchten.

Workshop Lenkung, Bild 20

Workshop Lenkung, Bild 20

Bild: Distanzrohr mit Haltestift und Mutter

Workshop Lenkung, Bild 21

Workshop Lenkung, Bild 21

Bild: Fluchtende Löcher mit Haltestift

Jetzt kommt – zumindest für den Normale (BN) – der schwierigste Teil (im Reparatur-Handbuch nicht beschrieben):

Wir bauen uns nun zunächst ein Spezialwerkzeug zum Einbau des Haltestiftes 602.055:

Statt des Gewindestiftes 601.904 wird eine ca. 28 cm lange Gewindestange M 10 (siehe Einkaufsliste Spezialwerkzeug) in die linke Anschlag- und Fettkappe 602.008 eingedreht, auf das außen an der Fettkappe ca. 5 cm überstehende Gewinde werden zwei Muttern M 10 aufgeschraubt und gegeneinander gekontert.

Workshop Lenkung, Bild 22

Workshop Lenkung, Bild 22

Bild: Teile für das Spezialwerkzeug Einbau Haltestift

Workshop Lenkung, Bild 23

Workshop Lenkung, Bild 23

Bild: Fertiges Spezialwerkzeug

Die Fettkappe wird mit den 3 Federringen und 3 Muttern auf den Lenkungskörper geschraubt, die Gewindestange liegt jetzt am Ende der Zahnstange an und kann später den notwendigen Gegendruck aufnehmen.

Dann wird die bereitgehaltene Stange (siehe Einkaufsliste Spezialwerkzeug) von rechts in den Lenkungskörper eingeführt und bis zum Distanzrohr 601.975 durchgeschoben.

Jetzt die Lenkung aus dem Schraubstock nehmen und hochkant auf die aus der Lenkung herausragende Stange auf den Boden stellen.

Workshop Lenkung, Bild 24

Workshop Lenkung, Bild 24

Bild: auf der Stange hochkant stehende Lenkung

Mit einem 17er Maul- oder Ringschlüssel jetzt die Gewindestange an der Fettkappe soweit hereindrehen, bis das oben beschriebene Loch für den Haltestift 602.055 sowohl im Lenkungskörper als auch im Hohlteil der Zahnstange genau fluchten.

Jetzt wird von oben auf den Alu-Lenkkopf gegen die eingebaute Feder (BN) mit einer Hand soviel Druck ausgeübt, bis auch das sechseckige Loch im Distanzrohr mit den zwei anderen Löchern im Lenkungskörper und der Zahnstange fluchten.

Dann wird der Haltestift 602.055 mit dem Gewinde voran eingeschoben. Das ist recht schwierig, weil stark gegen die Federspannung (BN) gedrückt werden muss.

Workshop Lenkung, Bild 25

Workshop Lenkung, Bild 25

Bild: Druck auf den Alu-Lenkkopf

Workshop Lenkung, Bild 26

Workshop Lenkung, Bild 26

Bild: halb eingeführter Haltestift in die fluchtenden Löcher – aufgrund der Federspannung leicht schräg

Das Halbblech wird jetzt soweit verschoben, bis das kleine Mittelloch mit dem Gewinde-Ende des Haltestiftes fluchtet.

Der Haltestift wird jetzt ganz durchgeschoben, ggfs. leicht mit einem Dorn einschlagen, die Unterlegscheibe und die Mutter 602.056 mit der gewölbten Seite nach oben werden montiert und entsprechend des sechseckigen Loches im Abdeckeisen 601.978/601.845 ausgerichtet.

Workshop Lenkung, Bild 27

Workshop Lenkung, Bild 27

Bild: Mutter Haltestift auf Halbblech

Damit ist jetzt auch das Halbblech festgeschraubt. Hier wird deutlich, warum das Halbblech aus gutem Material bestehen muss: Es wird allein durch das kleine Gewindestück des Haltestiftes fixiert, das dann bei Lenkeinschlag das Halbblech nach rechts und links im Lenkungsgehäuse mitnimmt. Nicht umsonst ist das Halbblech genau an diesem Befestigungspunkt immer ausgerissen.

(WIRD FORTGESETZT)

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S. Joest, www.ami6.de